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Beckenboden - Das Leid mit der unsichtbaren Muskulatur.

Beckenboden - ein Wort, dass man sicher schon mal gehört hat. Vielleicht beim Yoga oder Pilates oder bei der Rückenschule? Aber was genau ist das eigentlich und was verbinden viele Menschen mit diesem Begriff? Wer hat damit Probleme und warum ist es immer noch so ein Tabuthema?

Der Beckenboden ist schlicht und ergreifend Muskulatur, die uns (Frauen und Männer) nach unten hin verschließt. Er hat die Aufgabe unsere inneren Organe zu halten und unsere Körperöffnungen zu verschließen. Darunter fallen Anus, Scheide und Harnröhre. Aber auch bei der Sexualität spielen diese Muskeln eine wichtige Rolle, sie versorgen die Geschlechtsorgane mit ausreichend Blut.

(Quelle. http://www.apotheken-umschau.de/multimedia/39/242/150/63810682897.jpg)


Wie man oben auf der Grafik sehen kann, besteht diese Muskulatur aus drei Schichten. Wir schauen also von unten in unser Becken hinein. Wie folgt werden die Schichten benannt: Innere Schicht: M. levator ani – Aufgabe: Sicherung der Beckenorgane Mittlere Schicht: Diaphragma urogentiale: Aufgabe: Sicherung der Beckenorgane und Verschluss der Harnröhre Äußere Schicht: Schließ- und Schwellkörper Wichtig ist zu wissen, dass wir sehr viele bindegewebige Anteile innerhalb der Muskulatur besitzen. Besonders Frauen, die eine Öffnung (Scheide) mehr haben, brauchen dieses lockere Gewebe, um Kinder gebären zu können.

Aber warum ist der Beckenboden denn nun so interessant?

Diese Frage lässt sich einfach beantworten: Alle haben ihn, die wenigsten wissen wie sie ihn ansteuern und über 4 Millionen Menschen in Deutschland haben mit ihm Probleme. Aber nur die Hälfte redet über ihre bestehenden Leiden, eine schlimme Situation. Auf Basis unserer Sauberkeitserziehung seit Kindertagen verschweigen viele ihre Symptome. Angst vor Stigmatisierung, aus Scham oder gar Ekel passen die Betroffenen langsam ihren Alltag an diese Situation an. Weniger trinken, häufiges zur Toilette gehen, intensiver Wäscheschutz, bis hin zur sozialen Isolation, sind die Folgen. Aber ist denn eigentlich nur Urinverlust ein mögliches Problem, welches im Bezug zum Beckenboden steht?

Die ersten Assoziationen zum Thema Beckenboden sind meist „Verlust von Urin“ oder „wichtig nach der Schwangerschaft“ oder „das haben nur alte Menschen“. Alles ist nicht falsch, spiegelt aber nur einen kleinen prozentualen Anteil der möglichen Probleme wieder. Im Folgenden sollen mögliche Beschwerden, sowie deren Ursachen eindeutig kategorisiert werden.

Inkontinenz

Was ist das?

„Inkontinenz nennt man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blasen- und/oder Darminhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo er entleert werden soll. Unwillkürlicher Urinverlust oder Stuhlabgang sind die Folgen.“ (Quelle: http://www.kontinenz-gesellschaft.de/Harn-Inkontinenz.28.0.html)

Von dieser Problematik hat sicher jeder schon mal zumindest gehört. Allerdings gibt es verschiedene Formen und Ursachen, sowie Schweregrade.
Die häufigsten zwei Formen sind die Belastungs- und Dranginkontinenz. Beide sorgen für die oben benannten Probleme.

Bei der Belastungsinkontinenz handelt es sich um eine reale Beckenbodenschwäche. Diese kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel:

  • Übergewicht
  • schlechte Körperhaltung
  • ungünstiges Atemmuster
  • Bewegungsarmut
  • falsches Heben und Tragen
  • Pressen beim Urinieren/ Stuhlgang
  • Bindegewebsschwächen
  • Hormonveränderungen
  • Geburten

Sie kann in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden, von leicht (Verlust bei starker körperlicher Belastung) bist stark (Verlust in Ruhe), von tröpfchenweise bis hin zu einem strahlähnlichen Verlust.

Bei der Dranginkontinenz, hat die Beckenbodenmuskulatur eigentlich gar kein wirkliches Problem. Es ist eher ein Problem der Blase, die zu früh Drang an unser Gehirn sendet. Das sind die Menschen, die eigentlich kaum Verluste haben, bis sie vor der Haustür stehen und plötzlich nicht mehr wissen, wie sie es sicher zur Toilette schaffen sollen. Dieses Thema wird in einem der nächsten Blogeinträge spezifisch thematisiert.

Organsenkungen

Nicht nur eine Beckenbodenschwäche kann zu Urinverlust führen, sondern auch Senkungen der Beckenorgane. Davon sind hauptsächlich Frauen betroffen. In dem Becken der Frau werden die Blase, die Gebärmutter und das Rektum durch den Beckenboden gehalten. Kommt es zu längerfristigen Druckerhöhungen im Bauchraum, durch z.B. Geburten, langes Sitzen, schweres Heben oder starkes Übergewicht können sich diese Organe in verschiedenster Weise absenken. Auch schwaches Bindegewebe kann zu einer solchen Senkung führen. Im Beispiel unten ist eine sogenannte Zystozele, eine Blasensenkung in die Scheide zu sehen. Durch die Senkung kann die Harnröhre abknicken, der Beckenboden kann nicht mehr optimal angespannt werden und viele Frauen berichten darüber hinaus über ein Fremdkörpergefühl in der Scheide, manchmal auch über Probleme beim Geschlechtsverkehr. (Quelle: Zugriff am 4.11.16,9.22h: http://www.bard.de/cms/servlet/Query?node=88346&context=88347&language=1)

Hypertonus

Nicht nur Beckenbodenschwäche kann ein Problem für diese Struktur darstellen. Auch der sogenannte Hypertonus (zu hoher Spannungszustand) kann problematisch sein. Dabei spielt das Alter und das Geschlecht keine Rolle. Denn Muskelverspannungen oder schlechte koordinative Fähigkeiten kennt auch jeder von anderer Muskulatur am Körper. Die Ursachen können ganz unterschiedlicher Herkunft sein, zu viel Sport, Stress, negative sexuelle Erfahrungen, vieles ist denkbar. Die Symptome sind ebenfalls weit gefächert, von diffusen Schmerzen über schlechte Entleerung von Darm und Blase bis hin zu Sexualproblemen.

Wie man sehen konnte, sind viele Beschwerden an die Thematik Beckenboden gekoppelt. Auch wenn das hier nur ein kleiner Überblick gewesen ist, wird doch deutlich, wie unglaublich komplex diese unsichtbare Muskelgruppe sein kann. Wichtig ist es anzufangen, über seine Probleme zu reden und zu verstehen wieso, weshalb und warum sich diese Struktur wie verhält. Nicht zu akzeptieren, dass man Urin verliert oder Schmerzen hat. Es gibt heutzutage gute konservative Therapien, um diese Beschwerden anzugehen. Wir in der Physiotherapie am Feldtor haben zwei Therapeutinnen, die sich durch die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie (http://www.ag-ggup.de/) auf dieses brisante Thema spezialisiert haben. Sprechen Sie uns an!

Beckenbodentraining

Probieren Sie doch einmal aus, ihren Beckenboden zu erspüren!
Diese Bilder können Ihnen beim Training helfen, sich den Beckenboden vorzustellen:

  • Fahrstuhlfahrt (gleichmäßig)
  • Schambein in Richtung Bauchnabel ziehen
  • Sitzbeinhöcker zueinander ziehen
  • etwas pflücken wollen
  • eine Aprikose oder Ähnliches drehen wollen
  • Blüte auf den Beckenboden setzen und aufgehen lassen
  • Scheide anheben und hochschnüren/ eng machen/ ansaugen
  • Luftbläschen in der Harnröhre transportieren wollen
  • Peniswurzel heranziehen
  • Damm nach Innen hinaufziehen
  • Penis einrollen
  • Strahler an den Sitzbeinhöckern, kreuzen

Das Beckenbodentraining bedarf einer gewissen Regelmäßigkeit (mind. 1x pro Tag 3-5x 10 variierende Anspannungswiederholungen). Ziel ist es, das Training im Alltag zu automatisieren, das bedeutet insbesondere, den eigenen Alltag als Trainingsort für sich zu entdecken (z.B. beim Zähneputzen, an der roten Ampel). Der erste Kraftzuwachs zeigt sich, wie bei allen anderen Muskeln im Körper auch, nach ca. 5 Monaten

Viel Spaß dabei!

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